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Leben nach Sepsis

Eine Sepsis zu überleben heißt nicht gleich Rückkehr in das gewohnte Leben. Im Septischen Schock gerät unser Körper an sein Limit. Durch die extreme Immunreaktion werden nicht nur die Erreger bekämpft, sondern auch Nervengewebe und Organe wie Lunge, Herz und Niere geschädigt und das Immunsystem langanhaltend aus der Balance geworfen. Selbst wenn der Patient letztendlich dem Tod durch Multiorganversagen entgeht, können Schäden zurückbleiben. Überlebende berichten von anhaltender Müdigkeit, sensorischen Störungen, Funktionsstörungen von Herz und Nieren und von erneutem Aufflammen der Sepsis. Zahlen untermauern diese Berichte. 20 Prozent der Sepsis-Überlebenden müssen innerhalb von 30 Tagen nach Entlassung aus der Intensivstation wieder stationär behandelt werden, weitere 30 Prozent der Überlebenden innerhalb eines Jahres. Drei Viertel der Überlebenden entwickelt ein komplexes Krankheitsbild, das sich Post-Sepsis Syndrom (PSS) oder PICS nennt (kurz für Persistent Inflammation, Immunosuppression, and Catabolism Syndrome, also eine dauerhafte Störung von Entzündungsvorgängen, Immunabwehr und Stoffwechsel).

Wo finde ich Hilfe?

Es gibt derzeit in Österreich und Deutschland systematisch geregelte Nachsorge oder klare Zuständigkeiten für die Versorgung nach Sepsis. Wir raten daher allen Betroffenen, sich mit ihrem Zustand vertraut zu machen und Rat bei Patient:innenorganisationen und anderen Betroffenen zu suchen. Dieses Wissen hilft, die nötige Hilfe aktiv einzufordern. Die rät übrigens auch die Patient:innenbroschüre in Schweden, einem Land, in dem die Post-Sepsis-Versorgung vergleichsweise gut ausgebaut ist:

“Nicht alle Ärztinnen und Ärzte sind sich der frühen Symptome oder Probleme bewusst, die nach einer Sepsis auftreten können. Deshalb ist es wichtig, dass Sie gezielt danach fragen.”

Eine ähnliche Broschüre existiert auf Deutsch, herausgegeben von der European Sepsis Alliance: Leben nach der Sepsis – Ein Leitfaden gibt praktische Ratschläge für Betroffene und ihre Angehörigen.